Anreise

„Mensch Sie ham ja eine Energie, Sie scheinen sich ja richtig zu freuen hier zu sein, da freu ich mich ja direkt mit“ meint die Rezeptionistin 13.45 Uhr beim Check-in zum zweiten Teil meiner RV fit Kur. Und ehrlich, sie hat Recht. Ich freue mich wirklich extrem. Nicht nur, dass die Anreise wieder so unkompliziert in pünktlichen Zügen verlief, auch dass ich, obwohl ich vor der offiziellen Ankunftszeit da bin, schon auf mein Zimmer kann. Zu Hause hätte ich nicht mehr gewusst, was ich noch tun soll. Hier in Wiesenbad fällt mir da deutlich mehr ein. Erstmal wird auf dem Zimmer ein mitgebrachtes Mittag verzehrt, der Behandlungsplan studiert und alles eingeräumt. Wieder ein klassisches Krankenhauszimmer, dieses Mal natürlich ohne Schwibbögen und direkt noch hässlicher, aber man soll sich schließlich nicht zu wohl fühlen. Dafür wieder oberstes Stockwerk und weg von der Straße, dieses Mal am anderen Ende des Geländes, ein paar Etagen über dem Speisesaal. 

Die Aussicht stimmt. Auch wenn die Chemtrails heute wieder tief fliegen 😉

Das Wetter ist noch etwas verhangen, aber für eine erste Erkundungsrunde über das Gelände langt es. Viel hat sich nicht verändert, aber durch die Vegetation wirkt es im Sommer nochmal komplett anders. Gleich noch schauen, was an der Animationstafel hängt. Ausgerechnet Lachyoga ist heute wieder! Immer alle 14 Tage mittwochs, da hatte ich ja letztes Mal schon Glück. Ich melde mich schnell noch an, das lasse ich mir nicht entgehen.

Ab 16 Uhr öffnet die Therme und ich bin die erste auf den Sprudelliegen. Das Außenschwimmbecken ist fast nicht nutzbar, so stark regnet es inzwischen. Schnell noch Heilkräuter im Dampfbad einatmen, um auch wirklich alles gleich am ersten Tag mitzunehmen, was inklusive ist, und ab zum Abendbrot. Dieses Mal bin ich generell in der ersten Essensrate gelandet, was ich gut finde, denn letztes Mal bin ich ja fast verrückt geworden als ständig zuerst Sport und dann Frühstück dran war. Dieses Mal geht hier morgens nichts vor um acht los. 

Dafür kommt aber heute noch mein fakultatives Abendprogramm um 19 Uhr in der Turnhalle.

Ganz so mitreißend wie beim letzten Mal ist es nicht, wahrscheinlich fehlt mir dieses Mal Diana. Sie konnte kurzfristig nicht von der Arbeit weg und hat ihre Auffrischungseinheit nun erst im November. Nach dem Tagesauswertungstelefonat mit Philipp und Karolina zieht es mir halb 10 die Augen zu.

Tag 1 – Wissenswertes und tolle Outdoorangebote

Zum Frühstück um 7 ist dann mein Tisch auch voll belegt, der letzte Teilnehmende aus Kempten im Allgäu ist gestern erst nach dem Abendessen eingetroffen.  Los geht es um 8 mit einem Vortrag, da kann ich mir meinen Kaffee im Thermobecher mitnehmen. Anschließend kommt die „Abrechnung“ , wir dürfen heute alle nacheinander auf die Körper-Analysewaage. Mein gutes Bauchgefühl hat sich aber bestätigt, ich konnte meinen guten Zustand vom Dezember in ALLEN Bereichen verbessern und habe zudem über 5 Kilo abgenommen. 

Voll happy und übermotiviert gehe ich zur ersten sportlichen Einheit heute, dem Outdoortraining im Kurpark. Es ist ein Zirkeltraining, ähnlich wie montags bei Stefan, wir lernen viele Übungen mit Eigengewicht kennen, die man ohne Geräte einfach z.B. bei einem Spaziergang einbauen könnte. Den muss ich nachher (unabhängig davon ob ich wirklich noch zusätzlich etwas davon direkt umsetze) unbedingt machen, denn heute bei 24 Grad und strahlendem Sonnenschein muss ich mir den Kurpark noch einmal in Ruhe anschauen. Es scheint jetzt im Sommer noch mehr Angebote unten zu geben, das muss erkundet werden. 

Danke für den Hinweis. Ich hätte auch fast falsch damit gespielt.

Aber vorher habe ich meinen obligatorischen Arzttermin. Arzttermin bedeutet in meinem Fall nur ungefähr 1 Minute Lob einheimsen für die ganzen verbesserten Werte und das war’s. Halb 12 werden schon die Geflügelbällchen mit Reis serviert. Am Tisch nebenan sitzt eine Mutter mit einer kleinen Karolina. Das einsetzende Heimweh wird mit einer halben Stunde sonnen auf der Terrasse vor dem Badehaus bekämpft, wo sogleich Qi Gong stattfindet, wonach die Welt sowieso wieder im Gleichgewicht ist.

Endlich ist auch mal etwas mehr Luft zwischen den Einheiten, sodass ein einstündiger Spaziergang im Kurpark abfällt. Also, das winterliche Wiesenbad hatte ja schon seinen Reiz, aber das sommerliche toppt es natürlich. Die Klanginsel ist neu gemacht, überall gibt es kleine Sportstationen (einen ganzen Balancier-Weg z.B., das hätte Karolina auch gefallen), das Kneipp-Becken läuft und die Sittichanlage wurde zusätzlich mit Kanarienvögeln und Wachteln befüllt. Es gibt also überall etwas zu entdecken und mitzumachen.

Im Anschluss ist direkt der passende Zeitpunkt für einen Bummel in der Kurparkhalle, die Geschäfte öffnen nämlich auch 14 Uhr. Zu einer Kaufentscheidung kommt es allerdings nicht, die heimischen Gewürzregale der zu beliefernden Haushalte müssen erst fernmündlich auf Leerstände geprüft werden.

Regal 1 von 29 oder so. Man ist eine Weile beschäftigt.

Außerdem ist 15 Uhr schon das nächste Seminar. Vor dem Abendessen wieder eine große Runde in der Therme, und nach dem Abendessen bis fast halb 9 drehe ich noch eine weitere Runde im Kurpark. Übrigens ohne die Übungen vom Vormittag zu wiederholen, man muss ja nicht gleich übertreiben. Die Klanginsel hat mir besonders gefallen, also höre ich noch (wieder alleine, gefühlt ist hier niemand außer ich immer unterwegs) eine ganze Weile Chorlieder und die „Klangreise zur Sommerwiese“ mit Rundumklang aus acht Lautsprechern. Im Anschluss hat die nette Rezeptionistin von gestern wieder Dienst und rettet mir den Arsch. Mein Handyladekabel ist anscheinend heute kaputt gegangen, aber sie leiht mir aus dem Fundus der in den Zimmern liegen gebliebenen Elektronik eins für den Rest meines Aufenthaltes.

Tag 2 – Walk and Shop 

Die Nacht war unruhig. Der Opi nebenan hat noch bis 22.15 Uhr mit seiner Frau telefoniert. Leider ohne Hörgerät. Ich bin jetzt bestens im Bilde wie es dem Bein geht. Nachts um 3 plätscherte plötzlich, noch lauter als der Opi, irgendeine Leitung im Bad, aber der Defekt ließ sich nicht finden. Also Tür zu und weg ignorieren. Tischnachbar Holger holt noch eine zweite Kanne Kaffee an den Frühstückstisch und dann geht es zum Glück wieder stressfrei los. Am Vormittag nur 25 Minuten Aquafitness (das gefällt mir sowieso nicht, also schön dass es so kurz ist) und nochmal eine dreiviertel Stunde begleitetes Atmen in der Gruppe (also Qi Gong. Ging gut.) 

Zum Mittag gibt es eine noch kleinere Portion als gestern, aber dafür Bananen zum Mitnehmen. Davon soll einen eigentlich ein lustiges Bild einer als Gesicht gestalteten Bemme am Ausgang abhalten, aber es hält sich natürlich keiner dran. 

Dafür sind die anderen Mahlzeiten in Buffetform köstlich, vielfältig und reichhaltig, vor allem jedes Dressing, jeder Salat… alles selbst gemacht, gar nicht wie im Krankenhaus. Der Schweizer Wurstsalat zum Abendessen wird mir am meisten fehlen.

Mein persönlicher Endgegner, Nordic Walking, wartet heute ganz zum Schluss des kurzen Therapietages auf mich. Aber es ist bezahlt, also mach ich es mit. Notfalls schmeiß ich die Stöcke aus Versehen in den Wald. 

Nicht mal fürs Foto konnte mein Gesicht etwas anderes als pure Verachtung ausdrücken

Dazu muss es aber nicht kommen, der heutigen Physiotherapeutin ist egal ob wir die Technik richtig machen: „Egal wie – Hauptsache Sie sind an der frischen Luft!“. Nachdem wir noch eine Extrarunde zur Bastei gedreht sind (ich hatte da die Stöcke schon demontiert unterm Arm, hat keinen interessiert), nehme ich die gute Frau beim Wort, ziehe mich nur kurz um und gehe wieder an die Luft. Aber zum Sonnen und Buch lesen. Zumindest bis es sich wieder zuzieht und ohne Strickjacke unangenehm windig wird.

Fehlt bloß noch der Cocktail

Für insgesamt 15 Euro kaufe ich ausgewählte Souvenire in der Promenade in und um das Kurhaus und plötzlich ist es schon halb 5, die Therme ist schon eine halbe Stunde überfällig! Natürlich werde ich bis zu meiner Essensrate nicht fertig auf der Sprudelliege, also ziehe ich mir meinen anderen Badeanzug nach dem Abendessen an, damit mich der Bademeister nicht gleich erkennt, und haue mich einfach noch mal eine Stunde in die heilende Brühe. Viel hilft schließlich viel, und meine gratis Stunde von morgen würde ja eh verfallen. Beim Koffer packen entscheide ich nämlich final, dass ich direkt nach dem letzten Seminar den ersten Zug nach Hause nehmen möchte und morgen nach der Zimmerabgabe und dem offiziellen Teil nicht noch einmal bade oder wandere. Der Aufenthalt soll am besten so entspannt enden wie er begann.

Tag 3 – Abreise

Das Frühstücksbuffet gibt nochmal alles: Warme Eierkuchen mit Apfelmus! Aber es nützt nichts, ich muss heute leider abreisen. Der Koffer steht schon an der Rezeption und ich gehe mit Sportsachen, die ich dann gleich im Zug anlassen möchte, zur allerletzten Einheit. Rückenfitness. Martin, einer der Herren von meinem Tisch muss sich dabei fast übergeben, so fordernd ist es. Sie haben sich das Beste für uns wohl bis zum Schluss aufgehoben. Meine Eierkuchen bleiben aber problemlos drin und gehen danach noch eine letzte Runde mit mir durch den Kurpark.

Im Kräutergarten erwischt man immer mal alte Frauen (nicht alle alten Frauen, aber wenn, dann sind es immer nur alte Frauen!) die sich die Pflanzen einfach abreisen und völlig schuldunbewusst einstecken. Dabei ist das doch zum Anschauen und für die Insekten gedacht.

Der Zug fährt in einer halben Stunde. Mich begleitet bis Flöha noch Sandy aus dem Dresdner  Dreiergespann, das schon zur Startphase im Dezember dabei war. Ihre Kolleginnen wollen heute noch einen Wandertag nach Wolkenburg veranstalten und bleiben daher noch in Wiesenbad. Drei Minuten vor Abfahrt des Zuges kommen sie dann doch angerannt, aber nur, weil beiden die Nase läuft und keine ein Taschentuch hat. Sandy hat für jede eine Packung. Wenn der Rest der Wanderung auch so gut geplant ist, bin ich gespannt, ob die beiden heute Abend noch irgendwann zu Hause ankommen. Alle Züge sind pünktlich, inklusive des Mama-Taxis am Bahnhof. Dadurch sitze ich um 11 mit einem Cappuccino auf dem eigenen Balkon. 

Fazit

Es ergibt schon Sinn, so eine Fitnesskur nochmal aufzufrischen. Nicht nur die Werte zu vergleichen war sehr aufschlussreich, auch habe ich mir noch einmal neue Motivation für neue Kurse zu Hause mitgenommen. Angenehm war zusätzlich, dass die Einrichtung nicht mal zur Hälfte belegt war und es dadurch immer ein ruhiges Plätzchen und nie Stau am Buffet gab. Aber das Programm an sich war auch wieder sehr abwechslungsreich aus Vorträgen und Sport rund um das Thema Gesundheit. Es hat mich wirklich abgeholt. Ab 5.7.2027 darf ich die nächste Kur beantragen, und was soll ich sagen: Der Termin steht schon im Kalender. Mal sehen, in welche Einrichtung ich das nächste Mal fahre!

Vielleicht wird es das nächste Mal eine weniger „krankenhausige“ Unterkunft.